22. Mai 2026

Vom Buzzword zur Praxis: Neue Impulse für zirkuläre Innenräume auf der polis Convention 2026

 

Wenn über die Zukunft des Bauens gesprochen wird, geht es oft um Architektur, Energie oder Materialien. Auf der diesjährigen polis Convention wurde jedoch deutlich: Auch der Innenraum rückt zunehmend in den Fokus der Transformation. Genau dort setzte der erste Auftritt der Circular Interiors Alliance (CIRI) auf dem Areal Böhler in Düsseldorf an. Mit zwei Tagen voller Austausch, neuer Kontakte und konkreter Einblicke in zirkuläre Prozesse. 

Worum es dabei ging, brachte Thilo Weinland in seinem Vortrag auf den Punkt: „Wir wollen aus einem Buzzword ein funktionierendes Modell machen – flächendeckend. Dafür müssen wir zeigen, dass es geht. Und dass es sich lohnt.“ 

 

Mehr als ein Zukunftsthema 

Mit der CIRI Lounge, dem Circular Hub und einem eigenen Workshop- und Vortragsprogramm entstand unter dem Motto „Pump it up“ ein Ort, an dem Circularity nicht nur diskutiert, sondern sichtbar und erlebbar wurde. Besonders unsere mobile Ausstellung Get in Touch with Circularity zeigte, wie sich Materialien, Möbel und bestehende Ressourcen neu betrachten lassen – nicht als Bestand von gestern, sondern als Ausgangspunkt für zukünftige Räume. 

Gerade diese Perspektive prägte viele Gespräche während der Messe. Während Unternehmen ihre Flächen neu organisieren und Arbeitswelten verändern, entstehen gleichzeitig enorme Mengen an Einrichtung, Materialien und Produkten, die oft noch hochwertig und nutzbar sind. Die Frage lautet deshalb längst nicht mehr nur, wie neue Räume aussehen sollen, sondern auch, wie mit bestehenden Ressourcen intelligenter umgegangen werden kann. 

 

Thilo Weinland, Olaf Bremer und Olaf Steinweg
©Thilo Weinland, Olaf Bremer und Olaf Steinweg

 

Im Vortrag von Thilo Weinland wurde dabei deutlich, warum genau jetzt ein Umdenken stattfindet. Viele Unternehmen beschäftigen sich bereits seit Jahren mit nachhaltigen Strategien, gleichzeitig wächst der Druck, diese auch wirtschaftlich messbar zu machen. Genau an dieser Schnittstelle entsteht aktuell eine neue Dynamik rund um Re-Use, Refurbishment und zirkuläre Wertschöpfung. 

 

 

Wenn Wiederverwendung zur Planungskultur wird 

Dabei zeigte die polis Convention auch, dass Zirkularität weit mehr ist als das Weiterverwenden einzelner Möbelstücke. Es geht um Prozesse, Zusammenarbeit und neue Formen der Vernetzung. Viele Hersteller verfügen längst über Lösungen für Reparatur, Ersatzteile oder Aufbereitung. Entscheidend ist jedoch, diese Kompetenzen zusammenzubringen und in reale Projekte zu übersetzen. 

 

 

Wie konkret das bereits heute aussehen kann, zeigte unter anderem der Workshop industrielles Refurbishment by Vitra am ersten Messetag. Hier wurde sichtbar, welches gestalterische und wirtschaftliche Potenzial in bestehenden Produkten steckt, und dass Wiederverwendung keineswegs im Widerspruch zu hochwertigen Arbeitswelten steht. Vielmehr entstehen daraus Räume mit eigener Identität und neuer Qualität. 

Passend dazu rückte der Circular Hub genau diesen Prozessgedanken in den Mittelpunkt: von der Bestandsaufnahme über Rückbau und digitale Erfassung bis hin zur Wiederverwendung. Statt Circularity als abstraktes Zukunftsmodell zu präsentieren, ging es darum, funktionierende Wertschöpfungsketten sichtbar zu machen. 

 

 

Thilo Weinland, Sebastian Wille (Impact Acoustic), Michael Weinfurth (Kvadrat), Michael Thomann (Ege Carpets), Michael Herrmann (Vitra), Markus Prange (Visplay),Olaf Bremer,  Emanuel Heinrich (Lindner Group) und Henning Sendker (Ege Carpets).
©Thilo Weinland, Sebastian Wille (Impact Acoustic), Michael Weinfurth (Kvadrat), Michael Thomann (Ege Carpets), Michael Herrmann (Vitra), Markus Prange (Visplay),Olaf Bremer, Emanuel Heinrich (Lindner Group) und Henning Sendker (Ege Carpets).

 

Zirkularität braucht Zusammenarbeit 

Neben allen inhaltlichen Impulsen war die polis Convention für uns vor allem ein Ort echter Begegnung. Die CIRI Lounge wurde an beiden Tagen zum Treffpunkt für Gespräche, spontane Diskussionen und gemeinsames Weiterdenken abseits des klassischen Messetrubels. 

 

Ein großes Dankeschön gilt Olaf Steinweg für die Koordination sowie COR Sitzmöbel, Rent.Group Swiss und Ege Carpets, die den passenden Rahmen für inspirierende Gespräche über zirkuläre Zukunftskonzepte geschaffen haben. 

 

Was von diesen zwei Tagen bleibt, ist vor allem ein Eindruck: Das Thema Zirkularität hat den theoretischen Raum zunehmend verlassen. Die Diskussion wird konkreter, die Prozesse werden greifbarer und die Bereitschaft, bestehende Systeme neu zu denken, wächst. Für uns war die polis Convention in diesem Jahr ein wichtiger Indikator dafür, wie stark der Bedarf nach konkreten, vernetzenden Lösungen ist. Und auch dafür, wie CIRI hier eine zentrale Rolle spielen kann: als Schnittstelle zwischen Planung, Herstellern, Bestand und Wiederverwertung, die aus einzelnen Ansätzen funktionierende Prozesse schafft. 

Kontakt

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