Projekt: On AG in Zürich (Innenarchitektur/Planung: Brunner Mettler Co. und On // Foto: Eduardo Perez
©Eduardo Perez

15. April 2019

New Work goes Mittelstand

Thilo Weinland arbeitet seit 30 Jahren mit Vitra-Produkten und plant seit über 20 Jahren New Work-Arbeitsumgebungen. Er ist Gesellschafter der projekt\/\/partner in München und Dortmund. Wir sprachen mit Weinland über die Herausforderungen von New Work.

Thilo, alle reden über New Work. Ihr plant schon seit 20 Jahren moderne Open Space-Büros. Freut ihr euch, dass dieser Trend auch im Mittelstand angekommen ist?

 

„Angekommen“ hört sich so an, als würden deutsche Mittelständler dem Trend hinterher trotten. Da muss ich vehement widersprechen. Mittelständler haben das Thema eher entdeckt als die meisten Konzerne. Wir haben unser erstes New Work Office 2001 im Sauerland realisiert – in der ehemaligen Fahrzeughalle einesteils   Produktionsunternehmens aus einer sehr konservativen Branche. Gerade Mittelständler wissen, dass sie sich bewegen müssen. Deutsche Mittelständler sind als Exportweltmeister besonders von ihrer Innovationskraft abhängig. Und agile Prozesse funktionieren in konventionellen Büros kaum.

Und zweitens sind Mittelständler vom War for Talents besonders betroffen. Wenn man im Sauerland oder auf der Schwäbischen Alb sitzt, ist es eben noch etwas schwerer als in den Metropolen, die richtigen Leute ins Unternehmen zu holen und zu binden. In Bewerbungsgesprächen wurde vor 20 Jahren vor allem über Gehalt und Aufstiegsoptionen gesprochen. Heute geht es auch um Work-Life-Balance. Auch die Frage, wie das Büro aussieht, ist für das Unternehmen zu einem wichtigen Argument geworden. Wer da mit einer verstaubten Atmosphäre aufwartet, hat immer weniger Chancen, den richtigen Nachwuchs zu finden.

Aber bei New Work denken die meisten Menschen erst mal an Silicon Valley oder Start-ups in Kreuzberg …

 

Da ist aber Vorsicht geboten. Ein Kickertisch und ein Kühlschrank mit Mate ist noch nicht New Work. Und das typische New Work-Büro gibt es schon gar nicht. New Work bedeutet, die Anforderungen genau zu analysieren und eine exakt auf das Unternehmen und dessen Mitarbeiter zugeschnittene Lösung zu entwickeln. Dazu können auch ganz klassische Einzelbüros gehören, wenn die Arbeitsweise das erfordert. New Work besteht eben aus viel mehr als nur ein paar hippen Klischees.

Open Space Office Loungebereich
©Eduardo Perez
Projekt: On AG in Zürich (Innenarchitektur/Planung: Brunner Mettler Co. und On

Aber Google oder Facebook können aus dem Vollen schöpfen und für viel Geld Bürolandschaften mit Yogastudios und anderen Annehmlichkeiten in die kalifornischen Berge bauen. Das typische deutsche mittelständische Unternehmen steht unter Wettbewerbsdruck und hat weder das nötige Kleingeld noch das passende Umfeld für ein großes Headquarter mit allem Luxus.

 

Erneut Einspruch. Erstens wissen Unternehmer sehr genau, dass sie in ihre entscheidenden Wettbewerbsfaktoren investieren müssen. Und der zentrale Faktor ist der Mensch, gerade wenn der auch noch kreativ sein muss. Investments in New Work sind also immer sehr, sehr gut angelegtes Geld mit einem grandiosen Return on Investment. Und zweitens muss New Work nicht sündhaft teuer sein und ist damit auch sicher kein Luxus. New Work-Lösungen sind meist besonders flächenökonomisch. Man spart in vielen Fällen Platz und damit Geld. Zweitens geht New Work auch hervorragend in Bestandsgebäuden. Der klassische, nüchterne Verwaltungsbau mit seinen 400-Quadratmeter-Etagen aus den 60ern oder aus den 80ern ist oft bestens geeignet. In diesem Journal zeigen wir gute Beispiele. Ich habe es eben erwähnt: Wir haben schon sehr gute Lösungen in einer alten Fahrzeughalle realisiert. Das Unternehmen hatte diese Option gar nicht auf dem Zettel, bis wir uns gemeinsam umgeschaut haben. Dann machte es Klick, und der geplante Neubau wurde überflüssig. Dieser Kunde hat viel Geld gespart!

Andererseits gilt Vitra als hochpreisig. Oft gibts dann am Ende in der Chefetage ein paar schicke Vitra-Möbel und für die Mitarbeiter Standardprogramme, oder?

 

Das war vielleicht mal so. Das Denken hat sich aber überholt. Erstens ist in vielen Fällen die Existenz einer „Chefetage“ ein veraltetes Konzept. Vor 50 Jahren konnte man an der Höhe der Lehne des Bürostuhls die Position des Mitarbeiters in der Unternehmenshierarchie ablesen. Aber heute macht die Differenzierung nach teuer für die Chefs und billig für den Rest keinen Sinn mehr. Was wäre das für ein Signal an die Mitarbeiter! Zudem wissen gerade Unternehmer sehr genau, dass sich funktionale und ästhetische Qualität rechnet. Letztens haben wir ein sehr konsequentes, innovatives New Work-Büro realisiert und dabei Vitra-Möbel aus dem Bestand mit eingeplant, die der Unternehmer bei uns vor über 20 Jahren gekauft hat. So etwas nennen Unternehmer nicht teuer, sondern werthaltig.

Der zentrale Faktor ist der Mensch, gerade wenn der auch noch kreativ sein muss. Investments in New Work sind also immer sehr, sehr gut angelegtes Geld mit einem grandiosen Return on Investment.

Thilo Weinland, Geschäftsführer projekt\/\/partner

Kontakt

Hallo, ich bin Thilo Weinland. Sie möchten mehr über New Work Arbeitsumgebungen wissen? Sprechen Sie mich an!

Email